Kopf frei mit dem Bullet Journal

Wer kennt das nicht? Zu Jahresbeginn erstellt man Listen und Pläne für das neue Jahr. Doch spätestens Mitte Januar, wenn sich alle von den Feiertagen erholt haben und im neuen Jahr angekommen sind, beginnt der ganz normale Geschäftswahnsinn und die gemachten Pläne werden immer wieder nach hinten verschoben, weil sie scheinbar nicht mit dem Geschäftsalltag zu vereinbaren sind.

Mir ging es 2016 genauso. 2016 war für mich ein erfolgreiches Geschäftsjahr, aber die Ziele, die ich mir für 2016 vorgenommen hatte, konnte ich aus Zeitmangel und aufgrund meines Rückzugs nach Deutschland nur bedingt umsetzen. Als Fan von To-Do-Listen suchte ich deshalb nach einem Weg, um mich besser zu organisieren. Digitale Lösungen kamen und kommen für mich nicht in Frage. Ich muss meine Aufgaben aufschreiben und „anfassen“ können. Aus diesem Grund fielen Lösungen wie Google Calendar und Co. für mich raus. In einer Facebook-Gruppe für Übersetzer wurde dann Anfang 2016 ein Artikel über das Bullet Journal gepostet. Ich war begeistert und wollte das System ausprobieren.

Aufbau und Funktionsprinzip des Bullet Journal

Das Grundprinzip des Systems ist nicht neu. Eine gute und einfache Erklärung, wie das System grundsätzlich funktioniert, findet man unter anderem hier. Für Leser, die Englisch verstehen, empfehle ich die Erläuterungen von Ryder Carroll, dem Entwickler des Bullet Journal.

Mich hat sofort der minimale Aufwand angesprochen, denn alles, was man dafür braucht, sind ein Notizbuch und ein Kugelschreiber und dann kann es auch schon losgehen. Zu Beginn habe ich ein altes, angefangenes Notizbuch benutzt, das auf meinem Schreibtisch rumlag, weil ich sicher gehen wollte, dass das System für mich funktioniert.

Gründe für ein Bullet Journal:
private Verpflichtungen, Aufträge, Abgabetermine, Freizeitgestaltung an einem Ort
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Mein Bullet Journal für 2017

 

Wie zuvor erwähnt war 2016 nicht nur ein sehr aufregendes Geschäftsjahr. Aufgrund meines Rückzugs nach Deutschland lag plötzlich auch ein scheinbar nicht zu bewältigender Berg Bürokratie vor mir. Kurz gesagt, wusste ich zeitweise nicht, wo ich ansetzen sollte. Abmeldung in Italien, Anmeldung in Deutschland, Umzug, Kündigungen von Konten, Verträgen, Fristen des Finanzamts. Immer wieder schreckte ich auf, weil ich etwas vergessen hatte. Lose Zettel mit Listen oder Post-its gingen verloren und die üblichen Jahreskalender baten zu wenig Platz, um alles eintragen zu können.

Mein Bullet Journal

Zu Beginn habe ich Ryder Carrolls Aufbau des Bullet Journal ohne Ausnahme befolgt. Doch nach zwei Monaten stellte ich fest, dass ich die Liste mit den Wochentagen zu Beginn des Monats nicht brauchte und sie für mich zu unübersichtlich war, weil ich zu viele Termine an einem Tag hatte. Eine einfache To-Do-Liste für den gesamten Monat mit den jeweiligen Fristen reichte aus. Den Future Log nutzte ich auch nicht oder vergaß, zu kontrollieren, was ich dort eingetragen hatte. Da ich parallel auch einen Tischkalender mit Wochenansicht habe, trug ich wichtige Termine einfach direkt in den Tischkalender ein. Einen großen Fehler, den ich zu Beginn machte, war nicht die Wochentage vor dem jeweiligen Datum einzufügen. Ich kam schnell durcheinander und musste in meinem Tischkalender immer wieder kontrollieren, um welchen Wochentag es sich handelte.

Für 2017 hat mein Bullet Journal einen Index (8 Seiten), eine Wochenansicht, die rigoros auf zwei Seiten Platz hat und meine To-Do-Listen. Feste Termine, die sich über das Jahr verteilen, trage ich weiterhin in meinen Tischkalender ein. Ich erstelle immer alle Wochenpläne für einen Monat, um die Monatsplanung nicht durch Listen und Sammlungen zu unterbrechen.

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Wochenansicht

Was hat mir mein Bullet Journal gebracht?

Mein Kopf ist freier. Da ich mein Bullet Journal überall hin mitnehme, kann ich Dinge, die ich festhalten möchte, gleich eintragen und entsprechend organisieren. Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob es sich um ein Restaurant handelt, das ich unbedingt ausprobieren möchte, eine Idee für meinen Blog oder eine Messe, von der ich über die Hochbahn-Nachrichten höre. Plötzliche Schreckmomente, in denen ich mich frage, ob ich wirklich an alles gedacht habe, kommen immer weniger vor, und falls sie vorkommen, muss ich nur die jeweilige Liste in meinem Bullet Journal aufschlagen. Fehlt der Stichpunkt, wird er eingetragen. Im Netz findet man auch sehr viele kreative Beispiele für Bullet Journals. Ich bin eher minimalistisch und bevorzuge klare Strukturen. Hier und da verwende ich etwas Farbe oder „doodle“, wenn mir danach ist. Aber grundsätzlich ist das Bullet Journal für mich weder ein Tagebuch, noch ein kreatives Projekt. Ich möchte nicht stundenlang damit verbringen, aufwendige Monatslayouts zu erstellen. Hier muss jeder ganz für sich entscheiden, wie sein Bullet Journal aussehen soll. Mein Tipp: Am besten hält man sich zuerst an die Vorgaben von Carroll und entwickelt dann sein persönliches Bullet Journal. Ganz wichtig ist, sich von den sehr kreativen und wunderbar gezeichneten Layouts, die man im Netz findet, nicht überwältigen oder gar entmutigen zu lassen. Einfach ausprobieren. Es lohnt sich.

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