Am 02.10.2015 und 03.10.2015 fand die DialogKonferenz des DVÜD

im Ehemaligen Hauptzollamt in Hamburg statt.

Als Mitglied durfte ich natürlich bei der ersten Konferenz meines Berufsverbandes nicht fehlen. Ein weiterer Grund für meine Teilnahme war sicherlich die Wahl des Veranstaltungsorts Hamburg, meine heimliche Heimat, die immer eine Reise wert ist.

Roundtable|Agenturen am 01.10.2015

Für mich begann die Konferenz allerdings bereits einen Tag zuvor, am 01.10.2015, mit dem Roundtable|Agenturen, der unter der Leitung des DVÜD-Gründungsmitglieds Andreas Rodemann den Auftakt der DialogKonferenz 2015 bildete. Im Rahmen des Roundtable trafen sich Freiberufler und Agenturen. Vier Stunden sprachen wir sehr offen darüber, ob Agenturen in der heutigen Übersetzungslandschaft unverzichtbar sind, welches Verhalten besonders negativ bei der Zusammenarbeit mit Agenturen und Freiberuflern ist, aber auch was als besonders positiv bezeichnet werden kann. Es gab keine Tagesordnung, die abgearbeitet wurde, um einen möglichst freien Dialog unter allen Teilnehmern zu garantieren. Einen ausführlichen Bericht und Bilder zum Roundtable|Agenturen findet Ihr hier: http://bit.ly/1Pt1mO0.

Mein Fazit: Gute Agenturen sind für mich unverzichtbar, denn sie nehmen mir viel Arbeit ab. Sie sind Mittler und Vermittler zwischen mir und dem Endkunden und ich kann mir nichts Positiveres vorstellen, als in einem Team aus Agentur, Endkunden und mir als Freiberuflerin an einem gemeinsamen Projekt zusammenzuarbeiten.

 

Erster Konferenztag am 02.10.2015

Sicherlich werden alle verstehen, dass ich in meinem Blogbeitrag nicht auf alle Punkte im Programm eingehen kann, zum einen, weil ich natürlich nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen konnte, und zum anderen, weil es den Rahmen meines Blogbeitrags sprengen würde. Meine persönlichen Highlights am Freitag waren der Vortrag von Ulrike Grübler zum Thema Urheberrecht und Caterina Saccanis Workshop zu Best Practices zur SEO-Übersetzung von Websites im Rahmen der Lernwerkstatt.

Ulrike Grübler ging bei ihrem Vortrag Copyright/Copycat: Wem gehört die Übersetzung? detailliert auf die juristischen Grundlagen des Urheberrechts in Deutschland ein. Sie erklärte unter anderem, welche Werke urheberrechtlich geschützt sind, wie lange ein solcher Schutz besteht und wer Urheber eines Werkes sein kann. So lernte ich, dass eine Übersetzung einen isolierten Schutz, d.  h. unabhängig vom Ursprungswerk, genießt und der Schutz für die gesamte Lebenszeit des Schöpfers plus 70 Jahre darüber hinaus besteht. Außerdem ist in Deutschland kein Copyright-Vermerk notwendig, weil das Werk nach deutschem Recht nicht angemeldet werden muss. Der Schutz entsteht also automatisch beim Verfassen eines Textes oder einer Übersetzung. Interessant fand ich auch, dass nur natürliche Personen Urheber sein können und das deutsche Recht in diesem Punkt zum Beispiel vom US-Recht abweicht. An meiner Aufzählung kann man sehen, dass es in den 90  Minuten des Vortrags sehr viele Informationen gab, die für alle anwesenden Übersetzer ohne Zweifel sehr hilfreich waren. Positiv war außerdem, dass Frau Grübler von Anfang an auf jede Frage einging, auch wenn ihre Planung davon zeitweise durcheinander gebracht wurde.

Mein Fazit: ein informativer Vortrag, der allen Teilnehmern einen guten Überblick zum Thema Urheberrecht in Deutschland geboten hat.

Nach der Mittagspause und dem (sehr guten) Mittagsbuffet hielt am Nachmittag meine Kollegin Caterina Saccani ihren Vortrag Best Practices zur SEO-Übersetzung von Websites im Rahmen der Lernwerkstatt. Ich hatte wenige bis gar keine Vorkenntnisse im Bereich Suchmaschinenoptimierung, weshalb ich mich beim Nachmittagsprogramm für diesen Vortrag entschieden hatte. Der Vortrag war in zwei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil sprach Caterina über die theoretischen Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung, über die verschiedenen Arten von Keywords und ihre Auswahl. Sie ging auf unterschiedliche Tools ein, die man bei der Suche nach den richtigen Keywords und ihrer Prüfung einsetzen kann (z. B. keywordtool.io, soovle.com, ubersuggest.org), und veranschaulichte das Ganze an Beispielen aus ihrem Praktikum in China, in dessen Rahmen sie die italienische Website einer chinesischen Sprachenschule für italienische User optimiert hatte. Im zweiten Teil nach der Kaffee- und Networking-Pause mussten wir Teilnehmer ran: In einem Rollenspiel mussten wir Caterina Ratschläge zur Preis- und Angebotsgestaltung für die SEO-Optimierung der Website einer (Alb)-Traumkundin geben. Sie teilte uns in zwei Gruppen auf, die sich jeweils mit anderen Fragen auseinander setzen mussten, um Caterina anschließend entsprechend beraten zu können. Die  Gruppenarbeit war nützlich und alle haben sich gut eingebracht. Doch das Highlight des zweiten Teils war das eigentliche Rollenspiel von Caterina und unserer Kollegin Stephanie Wloch in ihrer Rolle als Kundin. Während der gesamten Konferenz habe ich nur ein weiteres Mal mehr lachen müssen, aber dazu kommen wir später.

Mein Fazit: Caterina hat es geschafft, einen nicht nur informativen und hilfreichen Vortrag zur SEO-Optimierung zu gestalten, sondern auch mit Witz und Verstand alle Teilnehmer einzubeziehen. Wenn man am Ende eines Vortrags um viele Hinweise, Tipps und Informationen reicher ist, hat der Referent alles richtig gemacht.

Zum Abschluss gab es dann noch eine kleine Überraschung: Meine Visitenkarte wurde beim Gewinnspiel der Übersetzer-Lounge gezogen und ich gewann eine Kaffeetasse, einen USB-Stick mit dem Handbuch des DVÜD Von A bis Z: Von Anfrage bis Zahlungseingang und einen Kugelschreiber. Hier zwei Bilder, eins mit allen Gewinnern und eins mit meinem Gewinn.

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Zweiter Konferenztag am 03.10.2015

Alle, die schon einmal auf einer Konferenz waren, wissen, dass der zweite Konferenzmorgen etwas schwerer fällt. Man lernt viele neue Kollegen kennen, man unterhält sich, ist den ganzen Tag unterwegs und abends wird es dann doch später als geplant. Mir ging es an Tag Zwei nicht anders. Deshalb besorgte ich mir erst einmal eine Tasse Kaffee vor der Rede von Dr. Jens Wegmann zum Thema Agenda xl82020. Wie sagt man so schön: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Dr. Jens Wegmann, der uns als Experte unserer Branche vorgestellt wurde (und dessen Namen ich noch nie gehört hatte), entpuppte sich als Comedian (www.comedy-redner.de), der alle Lacher auf seiner Seite hatte und dem es gelang, die letzte Müdigkeit aus meinen Knochen zu vertreiben. Ich denke, dass bei seiner Rede kein Auge trocken geblieben ist.

Das strahlende Wetter an allen Tagen der Konferenz hat mich anschließend in den Hafen getrieben, um für eine Stunde fernab von der Konferenz die Sonne zu genießen und wieder munter die nächsten Vorträge besuchen zu können. Und wer will mir schon bei einem solchen Wetter in Hamburg widersprechen.

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Nach meinem kleinen Ausflug am Hafen und dem (wieder sehr leckeren) Mittagessen
war ich dann auch wieder fit für den Vortrag Arbeiten für die Europäische Kommission von Sabine Scheidemann und den Vortrag Projektmanagement als Dienstleistung von Jacqueline M. Breuer.

Sabine Scheidemann ging bei ihrem Vortrag nicht nur auf das Arbeiten für die Europäische Kommission als fest angestellter Übersetzer mit oder ohne Beamtenstatus ein, sondern informierte die Teilnehmer auch über die Möglichkeiten einer freiberuflichen Zusammenarbeit. Sie erklärte, wie das Auswahlverfahren abgewickelt wird und welche Voraussetzungen man für die verschiedenen Rollen mitbringen muss. Außerdem sprach sie über die unterschiedlichen Übersetzungsarten und sonstigen Sprachdienstleistungen, die für die und von der Europäischen Kommission erledigt werden müssen. Die Bandbreite reicht von Übersetzungen von Websites, Webediting und Beratung von Autoren, der Übersetzung vertraulicher Dokumente und der redaktionellen Nachbearbeitung von Originalen bis hin zu mündlichen und schriftlichen Zusammenfassungen und Sprachberatung.

Mein Fazit: Ein sehr aufschlussreicher Vortrag, der sehr viel Licht in das Dickicht der Ausschreibungen der Europäischen Union brachte und den Teilnehmern bestimmt bei ihrer Entscheidung weitergeholfen hat, sich möglicherweise für eine Festanstellung bei einer Europäischen Einrichtung zu bewerben oder freiberuflich für die Europäische Union tätig zu werden.

Als letzter Punkt meines persönlichen Konferenzprogramms kam der Vortrag unserer Kollegin Jacqueline M. Breuer über Projektmanagement als zusätzliche Dienstleistung, die Übersetzer ihren Auftraggebern bieten können. Sie referierte darüber, wie Übersetzer auf dem heutigen Markt mehr als reine Übersetzer sein müssen, um langfristig zu bestehen und erfolgreich zu sein. Es wurden die unterschiedlichen Phasen eines Projektes besprochen und wie ein Übersetzer sich in diese Phasen aktiv einbringen kann, um einen erfolgreichen Abschluss des Projektes sicherzustellen. Ein Übersetzer ist und muss auch Problemlöser für seine Kunden sein. Nur so kann er einen Mehrwert schaffen und langfristig bestehen.

Mein Fazit: Ein sehr interessanter Beitrag, bei dem mir aus erster Hand durch eine erfolgreiche freiberufliche Übersetzerin das bestätigt wurde, was wir auch im Rahmen des Roundtable besprochen hatten: Nur wenn Übersetzer eine aktive Rolle im Projektablauf einnehmen, ist auch ein für alle Parteien zufriedenstellender Abschluss des Projekts garantiert.

Fazit

Der DVÜD hat die Feuertaufe mit seiner ersten Konferenz bestanden. Auch Hamburg hat sich von seiner besten Seite gezeigt und seinen Teil zum Erfolg und zur Stimmung auf der Konferenz beigetragen: strahlendes Wetter an allen Tagen der Konferenz und keine steife Brise. Für einen offenen und ehrlichen Austausch auf Augenhöhe zwischen freien Übersetzern und Dolmetschern und ihren Auftraggebern kann ich mir keinen besseren Veranstaltungsort als das Ehemalige Hauptzollamt im Herzen der Speicherstadt vorstellen. Das im DVÜD praktizierte „Du“ hat ebenfalls zur herzlichen, aber dennoch professionellen Atmosphäre der Veranstaltung beigetragen. Während der zahlreichen Networking-Pausen habe ich viele neue Kollegen kennengelernt und altbekannte Gesichter besser kennenlernen dürfen. Diese Konferenz hat wieder einmal gezeigt, dass der Dialog das A und O bei einer erfolgreichen Zusammenarbeit ist. Die DialogKonferenz geht 2017 in die zweite Runde und ich bin auf jeden Fall wieder dabei!

 

Urheberrecht an den Fotos: Jessica Link Translations, Ausnahme: Gewinnerfoto des Gewinnspiels: Christian Rasch (www.hcr-media.de)

Comments  / 4

  • Hi Jessica,

    danke für den tollen Beitrag!

    Vor allem in dem, was du zu Caterinas Vortrag geschrieben hast, finde ich mich wieder. Auch ich habe davon profitieren können. Denn mir war bisher nicht klar, dass ich mit SEO-Übersetzung eine neue Nische bedienen kann. Wir als Blogger haben damit schließlich fast tagtäglich zu tun und können es leicht in unser Portfolio mit aufnehmen.

    Liebe Grüße,
    Barbara

  • Hallo Jessica,

    von mir auch recht herzlichen Dank für deinen sehr informativen und toll aufgebauten Beitrag! Ich werde von nun an bestimmt öfters auf deinem Blog vorbeischauen.
    Natürlich habe ich mich insbesondere über deinen netten Kommentar zu meinem Vortrag gefreut 😉
    Ich habe auch allen Teilnehmern zu danken, dass ihr so toll mitgemacht habt.
    @Barbara: Dir auch vielen Dank für deinen netten Kommentar! Und ja, SEO-Übersetzung bietet uns allen (und dir als erfahrenen Bloggerin umso mehr) eine tolle Chance, das eigene Leistungsportfolio zu erweitern.

    Liebe Grüße
    Caterina

    • Danke Caterina für die positive Rückmeldung! Mein Blog steckt ja noch in den Kinderschuhen und bekommt aufgrund anderer beruflicher Verpflichtungen leider nicht immer die Aufmerksamkeit, die er bräuchte. Die Dialogkonferenz war deshalb auch ein guter Anlass, meinen Blog aus seinem Tiefschlaf zu holen 🙂

      Liebe Grüße
      Jessica

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